Gedenktag und Anna-Göldi-Preis

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Amtsmissbrauch, Justizwillkür und Gewaltherrschaft beschäftigt nicht nur Historiker. Auch in der Gegenwart sind die Menschenrechte nicht immer gewährt und deren Einhaltung und Ueberwachung eine anhaltende Aufgabe und Bürgerpflicht.

Die Anna-Göldi-Stiftung möchte mit einem regelmässigen Gedenktag Personen ehren, die sich für Menschen - und/oder Frauenrechte eingesetzt haben. Sie hat deshalb den 13. Juni zum Anna-Göldi-Gedenktag gemacht, in Erinnerung an die vor 227 Jahren in Glarus hingerichteten und 2008 rehabilitierten Anna Göldi. Alle zwei bis drei Jahre wird die Stiftung ein Menschenrechtspreises den Anna-Göldi-Preis an eine Persönlichkeit überreichen, die sich in diesem Sinne verdient gemacht hat. Erstmalig wurde dieser Preis am 13. Juni 2009 verliehen.

Anna-Göldi-Preis 2009

Erster Anna-Göldi-Menschenrechtspreis geht an Luzius Wildhaber

Zum Preisträger auserkoren wurde der Schweizer Jurist Prof. Dr. Luzius Wildhaber, langjähriger Präsident des Europäischen Gerichtshofes in Strassburg.
Der Anna Göldi-Menschenrechtspreis ist eine Auszeichnung für Persönlichkeiten, die sich in der Gegenwart für Menschenrechte und gegen Justizwillkür einsetzen.



Luzius Wildhaber hat sich durch sein beispielloses Engagement für die Durchsetzung der Menschenrechte ausgezeichnet.
So war er massgeblich am Aufbau des Europäischen Menschenrechtshofes beteiligt und präsidierte diesen von 1998 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2007.
Und er prägte die Rechtsprechung in Europa während der letzten 20 Jahre wie kaum ein anderer Jurist. 
Sein besonderes Augenmerk während seiner langjährigen Tätigkeit in Strassburg galt dem Schutz der Minderheiten sowie dem Kampf gegen die Diskriminierung von unehelichen Kindern und Homosexuellen.

Die Anna-Göldi-Stiftung würdigt mit der Verleihung des Preises das Lebenswerk von Luzius Wildhaber.

Wildhaber ist Bürger von Walenstadt SG und lebt in der Nähe von Basel.

 

Anna-Göldi-Preis 2011

Anna-Göldi-Stiftung ehrt Islamwissenschaftlerin Amira Hafner-Al-Jabaji

Am Samstag, 18.6.2011 ist in der reformierten Kirche in Mollis/GL der Anna-Göldi-Preis 2011 der Islamwissenschaftlerin Amira Hafner-Al Jabaji verliehen worden.

Die Anna Göldi-Stiftung verleiht alle zwei Jahre den mit 5'000 Franken dotierten Anna-Göldi-Preis. In diesem Jahr wurde der Preis an Amira Hafner-Al-Jabaji verliehen. Die 40-jährige Islamwissenschafterin setzt sich seit Jahren mit grossem Engagement für den Dialog zwischen den Religionen ein. Hafner-Al-Jabaji, als Tochter eing.es Irakers und einer Deutschen in Bern geboren, studierte in der Bundeshauptstadt Islamwissenschaften, vorderorientalische Philologie und Medienwissenschaften. Sie ist seit 1996 freischaffend als Referentin und Publizistin.

Marise Lendorff-El Rafii, syrisch-schweizerische Doppelbürgerin, schilderte in ihrer Laudatio Leben und Werk der Preisträgerin. Seit 1996 sei Amira Hafner als Referentin und Publizistin in den Bereichen Islam, Muslime in der Schweiz, interreligiöser Dialog mit besonderer Berücksichtigung der Genderperspektive tätig. Hafner sei nicht nur ein Multitalent, sondern menschlich wie fachlich eine ganz aussergewöhnliche Persönlichkeit. Durch ihr grosses Engagement für den Dialog zwischen Muslimen und Christen habe sie sehr viel Verständnis geweckt. «Für dich bedeutet interreligiöser Dialog aufmerksames Zuhören, Verständnis für die Argumente des Gegenübers, um gemeinsam Lösungen zu finden und Brücken zu bauen.» Ihre Stärke sei ein offenes, interessiertes Eingehen auf andere Menschen – aber immer auch mit einem klaren Bekenntnis zu ihrer eigenen Meinung. «Und uns allen wünsche ich», sagte Lendorff zum Schluss, «dass Christen und Muslime vermehrt und versöhnlich miteinander, statt übereinander sprechen.» Verschiedenheit könne kreativ sein, wenn sie denn in ihrer Eigenart geachtet und beachtet werde.

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Preisträgerin ist ein Multitalent

«Die Anna-Göldi-Stiftung will mit dem jährlich wiederkehrenden Gedenktag an das Unrecht erinnern, die Anna auf brutalste Art und Weise hat erfahren müssen», sagte Präsident Fridolin Elmer zu Beginn der Feier am vergangenen Samstag in der reformierten Kirche in Mollis. Der Gedenktag solle uns bewusst machen, dass auch in der heutigen Zeit immer noch viel Unrecht passiert. Eine, die sich für Werte wie Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Verständigung einsetze, sei die heutige Preisträgerin Amira Hafner-Al Jabaji.

Mit der Arbeit weiterfahren

Musikalisch umrahmt wurde die gut besuchte Feier durch mehrere Beiträge des Ensembles Müsiaque. Zu Beginn des Anlasses hatte die Glarner Pfarrerin Christina Brüll die religiösen Gemeinschaften und das kirchliche Leben im Kanton Glarus geschildert. Nicole Lieberherr vom Stiftungsrat war es dann vorbehalten, die Urkunde und eine eigens von Daniel Ledergerber geschaffene Skulptur an die Preisträgerin zu übergeben. Amira Hafner war es abschliessend ein Bedürfnis vielen Menschen zu danken, die sie stets gefördert und unterstützt hätten. «Der Preis ist für mich eine Würdigung meiner Arbeit, aber auch ein Ansporn und Auftrag mit meiner Arbeit weiterzufahren.»

Anna-Göldi-Preis 2015

Der Anna-Göldi-Preis wurde gestern in Ennenda (Gemeinde Glarus), GL, an die frühere Zwangsversorgte Ursula Biondi (65) und an den St. Galler Schriftsteller Arthur Honegger (91) verliehen, der einst Verdingkind war.

Walter Hauser, Redaktor und Präsident der Stiftung, sagte, Biondi und Honegger seien nicht nur Opfer staatlicher Willkür gewesen, sie hätten sich auch für ihre Schicksalsgenossen/innen eingesetzt. Die Feier fand erstmals im Hänggiturm statt, Standort des künftigen Anna-Göldi-Museums. Anwesend war auch alt Bundesrätin Elisabeth Kopp. 

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Anna-Göldi-Preis 2018

Anna-Göldi-Menschenrechtspreis 2018 geht an Mariella Mehr

Mariella Mehr verkörpert beides: Die 1947 als Tochter von Fahrenden geborene Mehr wurde ihren Eltern vom Pro Juventute -„Hilfswerk für Kinder der Landstrasse“ weggenommen. Sie musste danach eine richtiggehende Odyssee in Heimen, Erziehungs-, Strafanstalten und Kliniken über sich ergehen lassen.

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Doch Mehr stemmte sich gegen ihr Schicksal. Sie verwandelte ihre Demütigungen und Verletzungen in ein beispielloses Engagement für Minderheiten (namentlich für die Jenischen), sei dies als kämpfende Politaktivistin oder als Literatin. Wiederholt erhob sie ihre starke Stimme mit ungeheurer bis ungeheuerlicher Wortgewaltigkeit gegen das damalige Unrecht sowie gegen die Misshandlung von Frauen und Kindern in heutiger Zeit. Diesen Kampf um Gerechtigkeit anerkennt die Anna-Göldi-Stiftung mit ihrer Preisvergabe. Die Anna-Göldi-Stiftung setzt damit auch ein Zeichen gegen das Vergessen: Sie soll an all jene Kinder erinnern, die ihren Eltern weggenommen wurden und in Heimen oder als Verdingkinder oft ein hartes Schicksal erfahren mussten und die heute noch darunter leiden.

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